Ob SPD-Innenminister Jäger plant, die Polizei in NRW abzuwickeln? Manchmal scheint es so. Nachdem die Polizei ihre Präsenz bei Fußballspielen bereits deutlich reduziert hat – was noch Sinn macht, wenn Hoffenheim zum Auswärtsspiel mit 150 Fans anreist – trifft es jetzt Brauchtumsveranstaltungen aller Art. Betroffen sind Karnevalsumzüge ebenso wie die alljährlichen St. Martins-Umzüge der Schulen und Kindergärten überall im Land. Die veranstaltenden Einrichtungen müssen zukünftig selbst für Sicherheit sorgen, und wer mal abends mit 300 Kindern singend durch einen Innenstadt gezogen ist, weiß, dass das nicht so einfach ist. Wo früher der Streifenwagen vorneweg fuhr, sind jetzt freiwillige Helfer oder bezahlte Kräfte gefragt. Organisationsaufwand und Kosten werden für die Veranstalter deutlich steigen. Gut möglich, dass manche zukünftig auf diese Art der Brauchtumspflege verzichten. Und gut möglich, dass auch das manchem unserer Politiker durchaus recht ist. Zumindest, wenn es sich um populäre kirchliche Veranstaltungen handelt. Die Polizei und der Staatssäckel werden jedenfalls entlastet. Nur so ein Gedanke: Kleinkriminalität wird ohnehin kaum noch verfolgt, warum verzichten wir da nicht auch zukünftig auf Polizei? Kleindealer einsammeln, die nach einer halben Stunde wieder auf der Straße sind, Taschen- oder Fahrraddiebe…. Nehmen wir die doch aus der polizeilichen Aufgabenliste auch heraus. Denn klar ist: Am meisten könnte der Innenminister sparen, wenn die Polizei auch bei der Kriminalitätsbekämpfung nur noch in Ausnahmefällen eingeschaltet wird.

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Dieser Artikel wurde 5 mal kommentiert

  1. Alexander Droste Antworten

    Es heißt doch, dass die Polizei für die wirklich wichtigen und ernsten Einsätze gebraucht wird, z.B. den Schutz von Kastortransporten oder die Eskorte von Sigmar Gabriel oder Gregor Gysi.

  2. Dirk von Ahlften Antworten

    Was ist wichtiger als St.Martins-Umzuege mit tausenden von Kindern? Man sollte diese Frage oeffentlich vor Publikum der NRW Ministerpraesidentin stellen.

  3. Dieter Krüll Antworten

    Für den kleinsten Umzug muss man bei der Behörde gegen Gebühr einen Antrag stellen. Zu Recht, denn Sicherheit geht vor und ist Aufgabe der öffentlichen Hand.
    Und jetzt: Kinder sind doch leichter zu führen als Erwachsene. Und das bei Dunkelheit, da sieht man die Kinder doch eh nicht. Pardon, die sichern sich ja durch ihre Martins-Fackeln und zudem, die Verkehrsteilnehmer lieben doch den Martinszug, da werden sie besonders aufpassen.

  4. Fritz - Ulrich Hein alias hein-irol Antworten

    Ich denke an meine Kindheit. Dort ging ein Polizist zu Fuß voraus und einer hinterher. Vor einigen Jahren habe ich aber auch schon Erwachsene mit Schülerlotsen-Ausbildung ehrenamtlich gesehen. Ich glaube kaum, dass die von armen Rentnern überfallen und ihrer Zuckertüten beraubt werden.

  5. Hans-Georg Antworten

    Ich lese in den letzten Wochen davon, dass die Polizei nicht nur bei Fußballspielen demnächst Ihre Präsenz verringern wird. Ob das gut ist (ich meine nicht), wird sich noch zeigen. Spätestens dann zeigen, wenn wieder einmal die Vandalen „durchs Land ziehen“ und Menschen oder die Infrastruktur zu Schaden kommen, wird reagiert werden müssen. Dann aber ist das Geschrei groß und es werden Fragen nach der Verantwortung für den entstandenen Schaden gestellt. Die Verursacher ziehen ungestraft ab und poltern an anderen Stellen weiter.

    Unter anderem wird die künftige Zurückhaltung der Polizei mit immensen Kosten begründet, die jeder Polizeieinsatz angeblich verursacht. Die Polizei ist nicht in der Position, Rechnungen zu schreiben, da sie 1. keinen Adressaten und 2. keine belastbare Rechnungsqualität hat. Da schwirren Summen durch die Presselandschaft, die sicherlich ob der Höhe ganz erstaunlich sind. Bisher habe ich noch nie etwas davon gelesen, wie sich diese Summen errechnen.

    Ich weiß von Bekannten, der bei der Autobahnpolizei beschäftigt ist, aber bei Großeinsätzen immer mal wieder zum Einsatz befohlen wurde/wird, dass er für diesen Einsatz nicht mehr Geld erhält, sondern die geleisteten Stunden in ein Gleitzeitkonto fließen. Wegen der grundsätzlichen Personalknappheit bei der Polizei werden diese Stunden nicht mit Freizeit abgegolten. Sie werden erst wieder mit dem Eintritt in die Pension interessant.

    Da bekanntlich die Personalkosten einen wesentlichen Anteil einer Mehrpreisberechnung ausmachen, ist natürlich bei dieser Ausgangslage die Frage zu stellen, wie der Rechenweg aussieht, der zu diesen großen Summen führt.

    Das Fach Betriebswirtschaft ist ein Fach, das in ganz wesentlichen Teilbereichen aus der Analyse, Annahmen und Fakten besteht. Am Ende eines Prozesses stehen aber Fakten, die schließlich über das wirtschaftliche Ergebnis aussagen. Schönrechnen ist zwar heute angesagt, führt aber immer in die Irre. Es gibt Beispiele genug.

    Jetzt also die Martinszüge. Wo kommen wir nur hin, sehr geehrter Herrr Innenminister?

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